|
Sündenfall
(von Towanda)
Ein Sprung nach rechts, ein Schwerthieb aus der Hüfte und der Gegner ist entwaffnet. Xena wirbelt herum, springt in die Luft, macht einen Salto und lässt sich auf einen Ast fallen. Sie stößt einen Schrei aus und fliegt mehrere Meter an den Bäumen vorbei. Nur um Millimeter verfehlt ihr Chakram meinen Kopf und prallt scheppernd von dem Felsen zurück, an dem ich lehne. Es scheint den noch übrig gebliebenen Männern die Kehle durchschnitten zu haben, denn als sie es wieder fängt, hält sie in ihrem Training inne und blinzelt zu mir herüber. Ich lege meine Schriftrolle zur Seite und nicke anerkennend. Das genügt offenbar, denn plötzlich ist sie neben mir und erledigt einen imaginativen Bären, der es gewagt hat, hinter meinem Felsen hervorzutrotten. Sechs präzise Hiebe, ein Stich ins Herz. Das gäbe zwei Wochen Fleisch, wenn es in dieser Gegend Bären gäbe. Ohne aufzusehen zieht sie ihren Brustdolch hervor und wirft ihn an zwei Feigenbäumen vorbei in den Wald. Ein paar Blätter rieseln zu Boden. Sie verschwindet hinter den Bäumen, um wenige Augenblicke später wieder hervorzukommen, ihren Dolch in der linken Hand und einen sehr toten Hasen in der rechten. „Unser Abendessen.“ Ich schüttele den Kopf und lege den Hasen neben meine Schriftrollen. Sie fängt meinen schmunzelnden Blick auf und macht eine abwehrende Handbewegung, so als wolle sie sagen, dass das nicht der Rede wert sei. Aber ich kenne sie, ich weiß, dass es der Rede wert ist. Meiner Rede. Nicht, dass ihr Anerkennung wichtig ist, im Gegenteil, Bewunderung ist ihr unangenehm. Aber mir legt sie einen Hasen vor die Füße und möchte eine Reaktion. Ich gebe sie ihr und sie erwidert mein Lächeln. „Du kannst den Hasen später abziehen. Noch bis Sonnenuntergang, okay?“ „Das ist nicht mehr lange.“ Ich blinzle gegen die tiefstehende Sonne und greife dann demonstrativ wieder zu meiner Schriftrolle. Doch während Xena in ultimativ guter Form zu sein scheint, bringe ich heute keinen einzigen verwertbaren Gedanken zustande. Die Erkenntnisse dieses Tages haben mir mehr als zugesetzt. Fünfundzwanzig Jahre sind eine Ewigkeit. Wohin gehören wir jetzt noch? Gehören wir überhaupt noch irgendwohin? „Heimat kann eine Person sein“, habe ich oft geantwortet, auf unser Nomadenleben angesprochen. Die verwunderten, manchmal mitleidigen Blicke haben mir nie etwas ausgemacht. Und heute stimmt meine Antwort mehr denn je. Ich wüsste gern, wer von unseren Freunden noch am Leben ist. Ob Eve am Leben ist. Morgen werden wir in aller Frühe aufbrechen. Wir werden nicht eher ruhen, als bis wir sie gefunden haben. Ich weiß, dass Xena heute abend bis zur Erschöpfung kämpfen wird. Sie tut es, um nicht an Eve zu denken. Nicht an Cyrene, nicht an Amphipolis. Von einem Moment auf den anderen sind wir ganz allein. Ich wünschte, ich könnte meine Ängste so umwandeln wie sie, könnte mich ganz versenken in die Bewegungen meines Körpers. Xena übt Backflips. Ihre Rufe füllen die Luft, mein Auge hat Mühe, ihren schnellen Bewegungen zu folgen. All das ist mir so vertraut und ich werde doch nicht satt, ihr zuzusehen. Ich musste so mühsam lernen, was ihr so natürlich scheint. Die Eleganz, die hohe Konzentration in dem Moment, wenn sie fokussiert, ganz nach innen geht. Und dann die Entladung. Ich habe ihr nie gesagt, wie schön sie in diesen Momenten ist. Ich habe ihr auch nie gesagt, wie stolz es mich macht, an ihrer Seite zu sein. Dass ich diejenige bin, der sie sich zeigt. Ich weiß, dass mich viele Menschen eher bedauern als beneiden. Diese Leute wissen nichts. Wie sollten sie auch? Sie kennen sie nicht. Sie wissen nicht, wie viel wir lachen an manchen Tagen. Sie haben nie gesehen, wie sich ihre Gesichtszüge im Schlaf entspannen und so verletzlich werden, dass ich alles tun würde, um über sie zu wachen. Und doch ist sie es, die über mich wacht. Könnte ich schlafen, wenn ich nicht wüsste, dass ihre Sinne auch im tiefsten Schlaf, jede Bewegung und jedes Geräusch in der Umgebung registrieren? Manchmal wünsche ich mir so sehr, dass sie das aufgeben kann, nur einmal. Dass ich diejenige sein darf, die wacht, und ihr Körper sich endlich fallen lassen kann in die Nacht. So wie ich meinen fallen lasse jede Nacht. Weil sie da ist. Alles habe ich aufgegeben für sie. Meine Heimat, nahe Menschen, meinen Besitz, Kinder, eine Familie. Abgesehen von Perdicus bin ich noch nie neben einem Mann aufgewacht. Ich kenne keine Worte der Liebe, die jemand mir ins Ohr flüstert, und keine Worte des Verlangens. Nicht, dass es keine Gelegenheiten gegeben hätte, ich vermisse es einfach nicht. Unser Leben ist mir genug. Unsere Freundschaft ist alles, was mir wichtig ist. Wir wissen, was wir einander bedeuten, auch wenn Xena nicht zulässt, dass ich zurückgebe, was sie mir gibt. Manchmal könnte ich sie anschreien, dass sie mich nicht lässt. Oder jedenfalls nicht genug. Jetzt sieht sie fragend zu mir herüber. Wahrscheinlich ist ihr aufgefallen, dass ich seit geraumer Zeit meine Feder nicht bewegt habe. Ich versuche ein zuversichtliches Lächeln und deute mit der Hand auf den Horizont, wo die Sonne in wenigen Augenblicken untergehen wird. Sie senkt den Kopf und sieht mich an wie ein um Erlaubnis bittendes Kind. Wie könnte ich diesen Augen etwas abschlagen? Der Hase kann warten. Aber genau das meine ich. Sie tut das nicht, weil sie mir vertraut oder weil wir einander vertraut sind. Sie tut es, weil es mehr als Freundschaft ist, was uns verbindet. Es ist Liebe. Doch genau das macht es so schwer. Es ist zu groß für mich. Manchmal bin ich so voll, dass es mir den Atem nimmt. Müsste Liebe nicht ein Gefühl von Weite erzeugen und nicht von Enge? In unserer letzten Nacht hatten wir noch lange gemeinsam am Feuer gesessen, bang, dass unser Plan nicht aufgehen könnte. Ich war nervös und unsicher, hatte Sorge, dass wir die Götter nicht täuschen könnten, oder dass wir unseren Trick nicht überleben würden. Wir sprachen noch einmal durch, wie der nächste Tag verlaufen müsste und blickten gemeinsam auf unser letztes Jahr zurück. Es war kein einfaches Jahr gewesen, aber wir waren eine Familie geworden und das war das Wichtigste. Als die Sonne hinter uns unterging, hat Xena meine Hände genommen und gesagt „Ich habe das Schlimmste getan und darf das Kostbarste erfahren.“ Und ich war nicht in der Lage, ihren Blick zu erwidern, es hätte mich zerrissen. Ich weiß nicht, was mit mir los ist in letzter Zeit. Es war nicht das erste Mal, das Xena so etwas sagt. Normalerweise nehme ich sie dann in den Arm, aber diesmal begannen meine Hände zu schwitzen und ich musste sie aus ihren lösen. Ich habe Xena nicht erzählt, dass ich im letzten Frühjahr - ich kann nicht denken, es war vor 25 Jahren - zu Aphrodites Tempel gegangen bin. Statt eines Ratschlages erntete ich ein überhebliches Lächeln. Ich wette, es war nur Hilflosigkeit, weil auch Aphrodite nicht wusste, was zu tun ist. Sie hat nicht einmal mein Problem verstanden. Von spiritueller Liebe versteht Aphrodite nichts. Ich mag sie, aber wie sie zu ihrem Job gekommen ist, ist mir ein Rätsel. Und jetzt zum Beispiel. Den Duft, der zu mir herüberweht, kenne ich wie keinen anderen. Vermisse ihn wie keinen anderen. Ihre schwarzen Haare kleben an ihrem nassen Gesicht, die Röte auf ihren Wangen lässt das Blau ihrer Augen noch tiefer erscheinen. Ihr Atem geht rasch, die Bewegungen sind geschmeidig und konzentriert. Obwohl keinerlei Müdigkeit darin ist, weiß ich, dass sie gleich zu einem letzten Stoß ausholen wird. Dass dann ihr Chakram ein paar Mal dicht an meinem Kopf vorbeisummen wird, bevor sie sich neben mir niederlässt und fragt, wie weit ich mit dem Hasen bin, wohl wissend, dass ich noch nicht einmal Feuer gemacht habe. Dann wird sie mir in die Seite boxen und eine Bemerkung machen, dass sie in der Zeit, in der ich drei Worte geschrieben habe, 130 Männer in die Flucht geschlagen hat. Ich könnte nicht leben ohne das. Ich leide, wenn sie sich mir verschließt. Und wenn sie es nicht tut, fühle ich mich sicher wie nirgendwo auf der Welt. Sie hat mir alle Ängste genommen, geblieben ist nur die Furcht, sie eines Tages zu verlieren. Oder sie leiden zu sehen und es nicht lindern zu können. So wie heute. Ich kann nicht einmal zu einem Gott beten, dass Eve noch am Leben ist, denn niemand wünschte ihren Tod mehr als die Götter. Ich war von Anfang an dagegen, Eve den Römern zu überlassen, aber Xena hatte gesagt, Caesar sei nicht Rom und Octavian nicht Caesar. Unser vorgetäuschter Tod schien der einzige Weg, und wer konnte ahnen, dass Ares uns die nächsten 25 Jahre außer Gefecht setzen würde? Nie hätte ich gedacht, dass Ares uns nebeneinander begraben würde. Er, der mich am liebsten Hades direkt vor die Füße geworfen hätte, um Xena für sich zu haben. Ich war ihm nichts als lästig. Aber er muss etwas verstanden haben, sonst wäre ich jetzt nicht hier, am Leben und an Xenas Seite. Ares hat all unser Hab und Gut mit in die Berge genommen, nichts ist verloren gegangen. Ist das nicht seltsam? Es ist, als wäre die Zeit für uns vollständig stehen geblieben, und nur für uns. Als wären wir heute morgen neu geboren. Wer weiß, vielleicht hat in den letzten 25 Jahren ja der Eine Gott die Herrschaft übernommen. Nicht Dahawk, sondern der Eine Gott, von dem Eli manchmal erzählt hat. Vielleicht hat er dafür gesorgt, dass das Eis in den Bergen schmolz. Im Gegenlicht sieht Xenas Körper aus als stünde er in Flammen. Ihre Silhouette wirbelt durch die Luft wie der Schatten eines Derwischs. Eines Derwischs mit Schwert und Chakram. Sie ist der einzige Mensch, über den ich sage, dass ich zu ihm gehöre. Ich habe mich niemals richtig zugehörig gefühlt, nicht in Poteidaia, nicht bei den Amazonen, nicht bei Perdicus. Nur bei ihr und ich weiß, dass es ihr auch so geht. Wir sind füreinander bestimmt. Ich streiche die Schriftrolle auf meinen Knien glatt und schreibe zögernd ein paar Zeilen. Ein Apfel, der in meinen Schoß plumpst, lässt mich hochschrecken. Xenas Chakram zischt an mir vorbei, prallt hinter mir ab und teilt auf dem Rückweg den Apfel in meinem Schoß in zwei Hälften. „Probier’ mal, sie sind köstlich!“ Ehe ich antworten kann, lässt sich Xena neben mir ins Gras fallen. „Welche Hälfte möchtest du?“ Ich nehme vorsichtig beide Apfelhälften in meine Hände, breche eine durch und schiebe Xena einen Bissen in den Mund. Sie öffnet bereitwillig die Lippen. „Wie weit bist du mit dem Hasen?“ fragt sie und boxt mir in die Seite. „Wie du siehst, habe ich noch nicht einmal Feuer gemacht“, antworte ich überflüssig. Sie lacht leise, nimmt die zweite Apfelhälfte und schiebt sie mir zwischen die Zähne. Ich wische ihr einen Tropfen Fruchtsaft vom Kinn. „Wann brechen wir morgen auf?“ „Noch vor Morgengrauen, ich mag keine Zeit verlieren.“ Was täte ich dafür, ihr den Schmerz zu nehmen, den sie mir nicht einmal zeigt. Ich wende meine Augen von ihr ab, um meine Gedanken nicht zu offenbaren. „Wir werden es schaffen“, sagt sie leise. Sie küsst mein Haar und mir wird leichter. „Ich weiß“, murmele ich ihn ihren Hals und ziehe sie fester an mich. Eine Weile sitzen wir so, versichern uns, dass wir einander haben. Eine blitzschnelle Bewegung lässt mich hochfahren. Xenas Schwert rast an mir vorbei und köpft eine Pythonschlange, dicht neben meinem Oberschenkel. Mir stockt der Atem, das war knapp. Ich sehe noch das Aufbäumen und den listigen Blick der Schlange im Moment ihres Todes. Dann ist Stille. Xena lehnt sich bereits zurück an den Felsen und beißt in ihre Apfelhälfte, als sei nichts gewesen. „Seit wann gibt es in dieser Gegend Schlangen?“ Sie zuckt mit den Schultern und wirft den Apfelstängel in die Büsche. „Wir gehen zuerst nach Rom. Wir müssen Octavian finden.“ Als sie sich zu mir wendet fällt ihr Blick auf die Schriftrolle auf meinem Schoß. „Die paar Worte hast du geschrieben, während ich achtzig Männer in die Flucht geschlagen habe? Zeig’ mal her. “ Xena
weiß genau, dass ich es nicht mag, wenn sie meine Notizen liest,
aber aus irgendeinem Grund ignoriert sie jetzt meinen warnenden Blick. Anstatt
die Rolle zurückzugeben, forscht sie in meinem Gesicht und dreht
mir dann den Rücken zu, die Rolle vor sich in die Luft gestreckt. Ich angle nach dem Schriftstück, aber sie dreht sich weiter von mir weg und liest meine gekritzelten Gedanken. Mir steigt das Blut in den Kopf. Niemals würde ich laut sagen, was ich schreibe. Nicht
du Nicht Vielleicht
Aber sie dreht sich nicht zu mir um. Sie steht einfach auf und geht. „Xena! Warte! Was ist los? Wieso fragst du mich nicht, wenn du etwas von mir lesen möchtest?“ Jetzt wendet sie sich um. „Warum schreibst du so etwas, Gabrielle?“ Ihre Stimme zittert. „Wieso sagst du mir nicht, was du schreibst?“ Als hätte ich mich falsch verhalten und nicht sie! „Ich bin Bardin, falls dir das noch nicht aufgefallen ist! Da kommt es schon mal vor, dass man etwas schreibt!“ „Aber
doch nicht…“ „Darum geht es doch überhaupt nicht!“ „Nein? Worum dann?! Du findest meine Worte albern, stimmt’s? Du schämst dich! Ist es das? Ich beschäme dich!“ Ihr Schweigen macht mich noch wütender. „Du verstehst überhaupt nichts von Kunst, du hast kein bisschen Feingefühl, du…“ „Gabrielle…“ „Du hast überhaupt keine Ahnung, wie sehr…“ „Gabrielle.“ Ihre Stimme bebt ein wenig. „Das ist es doch gar nicht. Siehst du es nicht? Siehst du nicht, wer wir sind? Wer wir sein könnten?“ „Was meinst du?!“ Sie gibt mir keine Antwort, sie steht einfach da. „Xena. Was ist los? Ich verstehe nicht…“ Statt einer Erklärung stürmt sie an mir vorbei in den Wald. Ich schnappe mir fluchend den Hasen und beginne, ihm das Fell abzuziehen. Was ist in sie gefahren? Ich fluche weiter vor mich hin und denke mir neue Schimpfwörter aus, während ich ein Feuer mache und das Tier ausnehme. Wenn sie denkt, ich warte hier mit dem Essen, bis sie sich bequemt, ihren Anfall zu beenden, dann kann sie warten bis der Tartarus gefriert. Das war das letzte Mal, das sie etwas von mir gelesen hat, ich werfe meine Perlen doch nicht vor die Säue! Ich schneide mir ein großes Stück Fleisch ab und drapiere etwas Kräuter darauf. Mein Magen ist zugeschnürt bis zum Hals. Ich versuche es mit den Kräutern. Nach einigen erfolglosen Kauversuchen packe ich Zweidrittel des Fleisches auf meinem Teller ein und verstaue es in meiner Tasche. Xena soll ruhig denken, ich hätte es mir schmecken lassen. ’Wer wir sind. Wer wir sein könnten’. Was soll das Gerede? Ich bin sehr zufrieden mit dem, wer wir sind. Nie wieder werde ich ihr eine Zeile zu lesen geben. Sie weiß überhaupt nicht zu schätzen, was sie mir bedeutet und wie schwierig es ist, Worte zu finden für das, was uns verbindet. Ich ziehe eine der Schriftrollen aus meiner Tasche und entfalte sie. ‚Die Iden des Märzes.’ Hätte ich diese Zeit überlebt, ohne sie in Worte zu fassen? Niemals. Meine Tränen rinnen über meine Arme und tropfen auf die heißen Steine. Nach einer Ewigkeit endlich Schritte, Xena durchquert unseren Rastplatz. Ohne einen Ton zu sagen, setzt sich sie auf die andere Seite des Feuers und greift nach dem Teller, den ich für sie zurechtgemacht habe. Sie probiert zwei Feigen und stellt den Teller wieder zur Seite. Ihre Haare und Kleider sind nass und kleben an ihrer Haut. Offenbar hat sie in dem See am Rand des Waldes gebadet. Als sie aufsteht und sich auszieht, dreht sie ihren Körper von mir weg. „Xena, sei nicht albern. Was soll das denn?“ Sie dreht sich um und sieht mich an. Ihre Haltung ist vollkommen anders als sonst, nackt und verwundbar steht sie vor mir, in ihren Augen eine Bitte, die ich nicht zu verstehen wage. In mir zerspringt etwas und ich wende meine Augen ab. Mir wird schwindelig. Hastig stehe ich auf und greife nach meiner Bettrolle. Ich breite sie dicht neben dem Feuer aus und entkleide mich ohne aufzusehen. Ich spüre Xenas Gegenwart hinter mir und zum ersten Mal gibt sie mir keine Sicherheit. Ein Teil von mir will nichts mehr als zu ihr hin, ein anderer wünscht sich weit weg, nach Hause, nach Poteidaia. Ich könnte schreien, aber wage es nicht. „Gabrielle…“ Der flehende Ton in ihrer Stimme lässt mich aufblicken. Wir stehen nackt voreinander und ich fühle mich ihr fremd wie nie, fühle mich in mir selbst fremd wie nie zuvor. Mein Körper zittert unter ihrem Blick. Etwas in mir quillt über und ich beginne zu ahnen, was es ist. Xena greift nach einer Decke und wirft sie neben mich. Ihre Augen ruhen noch auf mir, als sie sich wieder aufrichtet. Sie kommt näher und ich halte den Atem an. Als sie sich zu mir beugt, berühren ihre nassen Haare meine Wange. Die Berührung schießt wie ein Blitz durch meinen Körper. Mein Herz klopft so laut, dass ich Angst habe, es springt aus meiner Brust. Es fühlt sich an wie sterben. Und leben. Xena lächelt, fast scheu, und ich schließe die Augen. Sie weiß, dass ich auf sie warte und sie enttäuscht mich nicht. Ihre Lippen schmecken süß, köstlich wie eine verbotene Frucht. Ich falle in ihr Paradies. Meine Kriegerin, meine Gefährtin, mein Leben.
P.S.: Es
lässt sich schwer sagen, ob Adam und Eva heißen Sex gehabt
hatten, nachdem sie erst einmal erkannt hatten, dass sie nackt waren.
Aber ausschließen lässt es sich nicht.
|